Rechts­grundlagen

Ihr Recht auf externe Beratung.

Die Befugnis des Betriebsrats, externe Sachverständige hinzuzuziehen, ist klar im Betriebsverfassungs-Gesetz geregelt. Vier Vorschriften sind dafür entscheidend — sie geben Ihnen den rechtlichen Rahmen, in dem Sie Beratung beauftragen können, und verpflichten den Arbeitgeber zur Kosten-Übernahme, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

01

§ 80 Abs. 3 BetrVG

Sachverständige hinzuziehen

Der Betriebsrat darf nach näherer Vereinbarung mit dem Arbeitgeber Sachverständige hinzuziehen, soweit dies zur ordnungs­gemäßen Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlich ist. Das umfasst betriebs­wirtschaftliche Expertise ebenso wie rechtliche oder technische Fachkunde.

02

§ 40 Abs. 1 BetrVG

Kosten-Tragung durch den Arbeitgeber

Die durch die Tätigkeit des Betriebsrats entstehenden Kosten trägt der Arbeitgeber. Dazu gehört auch die Beratung durch externe Sachverständige, soweit sie erforderlich und verhältnis­mäßig ist — bestätigt durch ständige Rechtsprechung des Bundes­arbeits­gerichts.

03

§ 111 BetrVG

Beratung bei Betriebs-Änderungen

Bei geplanten Betriebs-Änderungen — Stilllegung, Verlagerung, erhebliche Einschränkung, grundlegende Änderung der Betriebs-Anlagen — hat der Betriebsrat das Recht auf Beratung. In Unternehmen mit mehr als 300 Beschäftigten kann der Betriebsrat einen Berater seiner Wahl hinzuziehen.

04

§ 112 BetrVG

Interessen-Ausgleich und Sozialplan

In Verhandlungen über Interessen-Ausgleich und Sozialplan können externe Berater hinzugezogen werden. Die Kosten-Übernahme durch den Arbeitgeber ist auch hier vorgesehen — was den Betriebsrat in eine Verhandlungs-Position versetzt, in der er auf Augenhöhe argumentieren kann.

Anlass

Wann Beratung sinnvoll und möglich ist.

Externe Beratung greift dort, wo der Betriebsrat ohne fachliche Verstärkung nicht zur eigenständigen Beurteilung kommen kann. Vier Situationen kommen in der Praxis am häufigsten vor — sie verbindet, dass Beschlüsse mit weitreichenden Folgen für die Belegschaft anstehen und der Betriebsrat eine fundierte Position einnehmen muss.

In der Praxis

Vier Situationen, in denen Beratung trägt

Allen gemeinsam ist, dass die Geschäfts­leitung wirtschaftliche Argumente vorlegt, die der Betriebsrat ohne eigene fachliche Grundlage kaum prüfen kann. Genau hier setzt externe Sachverständigen-Beratung an.

  • Wirtschaftliche Lage des Unternehmens einschätzen
  • Restrukturierungen und Personal-Maßnahmen bewerten
  • Interessen-Ausgleich und Sozialplan verhandeln
  • Unternehmens-Planungen und Wirtschaftlichkeits-Rechnungen prüfen

01

Wirtschaftslage

Wirtschaftliche Lage des Unternehmens

Wenn das Unternehmen unter Druck steht oder die Geschäfts­leitung von angespannter Lage spricht, müssen Sie als Betriebsrat einschätzen können, was wirklich los ist. Externe betriebs­wirtschaftliche Expertise hilft, Bilanzen und Geschäftsberichte zu deuten, Liquiditäts- und Verschuldungs-Kennzahlen einzuordnen und Risiken oder Chancen für die Belegschaft frühzeitig zu erkennen.

02

Restrukturierung

Restrukturierungen und Personal-Maßnahmen

Standort-Schließung, Verlagerung, Personal-Abbau — solche Maßnahmen werden oft mit knappen Argumenten begründet. Eine unabhängige Analyse macht die wirtschaftliche Notwendigkeit nachvollziehbar oder zeigt Alternativen auf, die im Gespräch noch nicht geprüft wurden. Sie bekommen damit Argumente, die in Verhandlungen tragen.

03

Sozialplan-Verhandlung

Verhandlungen zu Interessen-Ausgleich und Sozialplan

In Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite kommt es auf Zahlen, Modelle und Szenarien an. Wir bereiten die wirtschaftlichen Daten so auf, dass Sie damit arbeiten können — Berechnungen zu Abfindungs-Höhen, Vergleichs-Werte aus anderen Sozialplänen, Bewertung von Härtefall-Regelungen, Kalkulation von Transfer-Gesellschaften.

04

Wirtschaftlichkeit

Unternehmens-Planungen und Wirtschaftlichkeits-Rechnungen

Investitions-Pläne, Mehrjahres-Prognosen, Wirtschaftlichkeits-Rechnungen — die Geschäfts­leitung legt diese Dokumente oft als feststehende Grundlage vor. Wir prüfen die zugrundeliegenden Annahmen, hinterfragen Szenarien und machen die Folgen für Beschäftigung und Standorte transparent. So entscheiden Sie auf belastbarer Basis statt auf Zuruf.

Beratungs-Felder

Was wir konkret leisten.

Die folgenden Themen kommen in Betriebsrats-Mandaten regelmäßig vor. Wir bearbeiten sie als Einzel-Aufträge oder als verbundene Beratung über mehrere Phasen einer Restrukturierung — abhängig davon, wo Sie gerade stehen und welcher Druck im Verhandlungs-Kalender liegt.

01

Bilanz-Analyse

Bilanz- und Geschäftsbericht-Analyse

Auswertung der wirtschaftlichen Lage anhand von Jahres-Abschluss, Lage-Bericht und unterjähriger Bericht­erstattung — strukturiert und für die Sitzung aufbereitet.

02

Restrukturierung

Bewertung von Restrukturierungs-Plänen

Prüfung der Begründung, der wirtschaftlichen Annahmen und der erwarteten Effekte — inklusive Bewertung möglicher Alternativen, die der Arbeitgeber bisher nicht geprüft hat.

03

Sozialplan

Sozialplan-Vorbereitung

Berechnung tragfähiger Sozialplan-Volumina, Bewertung von Abfindungs-Modellen, Vergleichs-Werte aus anderen Sozialplänen — als Basis für Ihre Verhandlungs-Position.

04

Verhandlung

Interessen-Ausgleich-Begleitung

Begleitung der Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite — Szenario-Rechnungen, Vorbereitung von Gegen-Vorschlägen, Bewertung der jeweiligen Verhandlungs-Stände.

05

Wirtschaftlichkeit

Wirtschaftlichkeits-Rechnungen

Kritische Prüfung der vom Arbeitgeber vorgelegten Rechnungen — wir hinterfragen Annahmen, prüfen Sensitivitäten und benennen Unsicherheiten, die der Arbeitgeber nicht ausweist.

06

Standort

Standort- und Verlagerungs-Analysen

Bewertung von Standort-Vergleichen und Verlagerungs-Begründungen — Lohn-Kosten-Vergleiche, Logistik-Annahmen, Total-Cost-of-Ownership-Rechnungen unter realistischen Bedingungen.

07

Personal

Personal-Maßnahmen-Bewertung

Bewertung geplanter Personal-Maßnahmen — Auswirkungen auf Belegschaft, Qualifikations-Profil, demografische Entwicklung und Tarif-Bindung.

08

Transfer

Transfer-Gesellschaft und Qualifizierung

Bewertung der Wirtschaftlichkeit und Qualität von Transfer-Lösungen — Personal-Konzepte, Qualifizierungs-Module, Vermittlungs-Quoten anderer Anbieter.

09

Aufsichtsrat & Schulung

Aufsichtsrat und Gremien-Schulungen

Vorbereitung von Aufsichtsrats-Sitzungen für Arbeitnehmer-Vertreter sowie Schulungen für Betriebsrats-Gremien zu betriebs­wirtschaftlichen Themen — Bilanz-Lesen, Kennzahlen-Bewertung, Verhandlungs-Vorbereitung. Auch als kompakter Crashkurs vor einer anstehenden Verhandlung.

Kosten-Übernahme

Was die Kosten-Tragung voraussetzt.

Die Kosten-Übernahme durch den Arbeitgeber nach § 40 Abs. 1 BetrVG ist nicht voraussetzungslos — aber gut umsetzbar, wenn der Betriebsrat die Schritte sauber dokumentiert. In der Praxis sind drei Aspekte entscheidend: die Erforderlichkeit der Beratung, die Verhältnis­mäßigkeit des Aufwands und die vorherige Absprache mit dem Arbeitgeber. Bei sachlicher Begründung und transparenter Kalkulation kommt die Kosten-Übernahme in der Regel zustande.

Bei Streit über die Erforderlichkeit

Im Zweifel entscheidet die Einigungs-Stelle

Werden sich Betriebsrat und Arbeitgeber nicht einig, entscheidet im Zweifel die Einigungs-Stelle oder das Arbeits-Gericht. Die ständige Rechtsprechung — insbesondere des Bundes­arbeits­gerichts — hat die Rechte des Betriebsrats auf externe Beratung über Jahre hinweg bestätigt und konkretisiert. Wir kennen die einschlägigen Entscheidungen und arbeiten so, dass die Erforderlichkeit nachweisbar bleibt.

01

Voraussetzung

Erforderlichkeit

Die Beratung muss zur ordnungs­gemäßen Wahrnehmung der Betriebsrats-Aufgaben notwendig sein. Bei Restrukturierungen, Sozialplan-Verhandlungen und der Bewertung wirtschaftlicher Daten ist die Erforderlichkeit in der Regel unstreitig — die Rechtsprechung hat sie hier mehrfach bestätigt.

02

Voraussetzung

Verhältnis-Mäßigkeit

Der Aufwand der Beratung muss zur Bedeutung des Themas in einem angemessenen Verhältnis stehen. Wir kalkulieren transparent, dokumentieren den Beratungs-Umfang und können die Verhältnis-Mäßigkeit jederzeit nachvollziehbar begründen.

03

Voraussetzung

Absprache mit dem Arbeitgeber

Vor der Beauftragung ist die Erforderlichkeit der Beratung mit dem Arbeitgeber zu erörtern. Wir unterstützen Sie bei der formalen Anfrage und liefern eine sachliche Begründung, mit der die Kosten-Übernahme in der Regel zustande kommt.

Vorgehen

So läuft eine Beauftragung ab.

Vom ersten Kontakt bis zur abgeschlossenen Beratung vergehen je nach Anlass wenige Tage bis mehrere Monate. Bei akuten Themen — Sozialplan-Verhandlung in zwei Wochen, kurzfristig anberaumte Aufsichtsrats-Sitzung — starten wir innerhalb weniger Tage.

Vertrauliches Erstgespräch

Gespräch zur Klärung Ihres Anlasses, der zeitlichen Lage und des fachlichen Bedarfs. Vertraulich, ohne Arbeitgeber-Beteiligung und ohne Verpflichtung.

30–60 Minuten

Bedarfs-Klärung und Angebot

Wir formulieren mit Ihnen den Beratungs-Bedarf, den Umfang und die voraussichtlichen Kosten. Sie erhalten ein schriftliches Angebot, das als Grundlage für die Anfrage an den Arbeitgeber dient.

1–2 Wochen

Anfrage und Beauftragung

Der Betriebsrat fasst einen Beauftragungs-Beschluss und stellt die Anfrage zur Kosten-Übernahme an den Arbeitgeber. Wir unterstützen die Argumentation der Erforderlichkeit und stehen für Rückfragen zur Verfügung.

2–4 Wochen

Beratung und Übergabe

Durchführung der Beratung — als schriftliche Bewertung, als Sitzungs-Vorlage, als Verhandlungs-Begleitung oder in der Kombination aus mehreren Formaten. Übergabe der Ergebnisse an den Betriebsrat, vertraulich.

Tage bis Monate

Häufige Fragen

Was Betriebsräte häufig fragen.

Antworten auf die Fragen, die Betriebsräte vor einer Beauftragung am häufigsten stellen — von der Kosten-Übernahme bis zur Vertraulichkeit. Ist Ihre Frage nicht dabei, klären wir sie im Erstgespräch.

Müssen wir den Arbeitgeber vorab um Erlaubnis fragen?

Die Erforderlichkeit der Beratung ist vor der Beauftragung mit dem Arbeitgeber zu erörtern — das ist keine Erlaubnis im engen Sinn, sondern eine Absprache. Der Betriebsrat fasst einen eigenen Beauftragungs-Beschluss; der Arbeitgeber trägt die Kosten, wenn Erforderlichkeit und Verhältnis­mäßigkeit gegeben sind. Wir unterstützen Sie bei der sachlichen Begründung der Anfrage.

Was passiert, wenn der Arbeitgeber die Kosten-Übernahme verweigert?

Werden sich Betriebsrat und Arbeitgeber nicht einig, entscheidet im Zweifel die Einigungs-Stelle oder das Arbeits-Gericht. Die ständige Rechtsprechung des Bundes­arbeits­gerichts hat die Rechte des Betriebsrats auf externe Beratung über Jahre bestätigt. Wir arbeiten von Anfang an so, dass die Erforderlichkeit dokumentiert und nachweisbar bleibt.

Bleiben unsere Beratungs-Inhalte vertraulich gegenüber dem Arbeitgeber?

Ja. Unsere Beratung erfolgt ausschließlich gegenüber dem Betriebsrat. Inhalte, Bewertungen und Verhandlungs-Strategien geben wir nicht an die Arbeitgeberseite weiter. Lediglich die formale Kosten-Frage wird mit dem Arbeitgeber erörtert — die fachlichen Ergebnisse bleiben beim Gremium.

Sind Sie Anwälte oder brauchen wir zusätzlich eine Arbeitsrechts-Kanzlei?

Wir sind betriebs­wirtschaftliche Sachverständige, keine Rechtsanwälte. Unsere Stärke liegt in der Analyse wirtschaftlicher Daten, Bilanzen und Restrukturierungs-Pläne. Für rein arbeitsrechtliche Fragen arbeiten wir bei Bedarf mit Fachanwälten zusammen — viele Mandate kommen jedoch ohne zusätzliche Kanzlei aus, weil der Schwerpunkt auf der wirtschaftlichen Bewertung liegt.

Können wir auch außerhalb von Krisen-Situationen Beratung anfordern?

Ja. Neben akuten Anlässen wie Restrukturierung oder Sozialplan beraten wir auch zur laufenden Bewertung wirtschaftlicher Daten, zur Vorbereitung von Aufsichtsrats-Sitzungen und in Form von Gremien-Schulungen zu betriebs­wirtschaftlichen Themen. Die Erforderlichkeit ist dann im Einzelfall zu begründen — gerade Schulungen sind in der Regel gut darstellbar.

Findet die Beratung online oder vor Ort statt?

Beides ist möglich. Viele Bewertungen und Sitzungs-Vorlagen erstellen wir aus der Distanz und besprechen sie per Video. Für Verhandlungs-Begleitung, Gremien-Schulungen oder sensible Themen kommen wir auf Wunsch vor Ort — bundesweit, je nach Anlass und Verhandlungs-Kalender.

Welche Voraussetzungen muss ein Beratungs-Mandat formal erfüllen?

Drei Dinge: ein Beauftragungs-Beschluss des Betriebsrats, die dokumentierte Erforderlichkeit der Beratung und die vorherige Absprache der Kosten-Frage mit dem Arbeitgeber. Sind diese Schritte sauber eingehalten, kommt die Kosten-Übernahme nach § 40 Abs. 1 BetrVG in der Regel zustande. Wir begleiten den formalen Ablauf von der Anfrage bis zur Beauftragung.

Kontakt

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