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KPQM: das schlanke Qualitätsmanagement für Arzt- und Psychotherapie-Praxen

Jede Arzt- und Psychotherapie-Praxis muss ein internes Qualitätsmanagement betreiben, das Verfahren ist frei wählbar. KPQM ist die schlanke, von der KVWL entwickelte Antwort auf diese Pflicht der G-BA-Richtlinie – praxisnah und ohne den Aufwand eines vollständigen ISO-Systems.

Stand: 5. Juni 2026 5 min Lesezeit Als PDF

Jede Arzt- und Psychotherapie-Praxis ist gesetzlich verpflichtet, ein internes Qualitätsmanagement zu betreiben. Welches Verfahren dabei zum Einsatz kommt, bleibt der Praxis überlassen – und gerade hier setzt das KPQM an. Es übersetzt die abstrakten Vorgaben der Qualitätsmanagement-Richtlinie in ein schlankes, im Praxisalltag handhabbares System. Wer verstehen möchte, was KPQM leistet und wann es die passende Wahl ist, sollte zunächst den rechtlichen Rahmen kennen, aus dem die Pflicht überhaupt entsteht.

KPQM

Das Kassenärztliche-Praxis-Qualitäts-Management-System (KPQM) wurde 2006 von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) für Vertragsärzte und Psychotherapeuten entwickelt. Es ist ein Qualitätsmanagementsystem, das die Anforderungen der Qualitätsmanagement-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) in eine praxistaugliche Form bringt. Im Vergleich zur DIN EN ISO 9001 ist es bewusst schlank gehalten und auf den Alltag einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis zugeschnitten.

Die Pflicht entsteht aus der QM-Richtlinie des G-BA

Grundlage ist die Qualitätsmanagement-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Sie verpflichtet vertragsärztliche und vertragspsychotherapeutische Praxen, ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement einzuführen, weiterzuentwickeln und aufrechtzuerhalten. Die Richtlinie benennt Ziele, Grundelemente und einzusetzende Instrumente und setzt einen verbindlichen Zeitrahmen – schreibt aber bewusst kein bestimmtes Verfahren vor.

Für die Praxis bedeutet das zweierlei: Das Ob eines Qualitätsmanagements ist verpflichtend, das Wie bleibt frei. Drei Eckpunkte der Richtlinie sind dabei besonders relevant.

Frist von drei Jahren

Eine Praxis muss innerhalb von drei Jahren nach Zulassung beziehungsweise Ermächtigung ein internes Qualitätsmanagement eingeführt und weiterentwickelt haben. Damit ist QM keine einmalige Aufgabe zur Eröffnung, sondern ein fortlaufender Prozess.

Freie Verfahrenswahl

Die Richtlinie legt die Praxis nicht auf ein bestimmtes Modell fest. Verfahren wie DIN EN ISO 9001, QEP, EFQM, KTQ oder eben KPQM stehen gleichermaßen offen. Entscheidend ist, dass die geforderten Grundelemente umgesetzt werden, nicht das gewählte Etikett.

Stichprobenartige Erhebung

Die Kassenärztlichen Vereinigungen erheben alle zwei Jahre bei einer Stichprobe von rund 2,5 Prozent ihrer Praxen den Einführungs- und Entwicklungsstand des Qualitätsmanagements und berichten dem G-BA. Eine Zertifizierungspflicht besteht dabei nicht.

KPQM im Vergleich zur ISO 9001

Beide Wege führen zu einem funktionierenden Qualitätsmanagement, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Die ISO 9001 ist ein branchenübergreifender internationaler Standard, KPQM ein speziell auf die ärztliche und psychotherapeutische Praxis zugeschnittenes System.

KPQM

  • Speziell für Vertragsarzt- und Psychotherapie-Praxen entwickelt
  • Schlankes, an der QM-Richtlinie des G-BA orientiertes System
  • Auf den konkreten Praxisalltag zugeschnittene Arbeitshilfen
  • Geringer Einführungsaufwand, für kleine Teams gut tragbar

DIN EN ISO 9001

  • Branchenübergreifender internationaler Standard
  • Umfassendes, formaler aufgebautes Managementsystem
  • International anerkanntes Zertifikat, auch außerhalb der Heilberufe
  • Höherer Aufbau- und Pflegeaufwand

Für viele Praxen ist KPQM deshalb attraktiv, weil es die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, ohne den Apparat eines umfassenden ISO-Systems aufzubauen. Praxen, die ein international anerkanntes Zertifikat benötigen oder Teil einer größeren Struktur mit ISO-Zertifizierung sind, treffen die Wahl mitunter anders.

Vom Selbstbewertungsbogen zum Zertifikat

Praxen, die KPQM nicht nur einführen, sondern auch zertifizieren lassen möchten, durchlaufen ein geordnetes Verfahren. Ausgangspunkt ist eine ehrliche Standortbestimmung, an deren Ende die Bestätigung durch eine befugte Stelle steht. Eine Zertifizierung ist freiwillig; sie macht das gelebte Qualitätsmanagement nach außen sichtbar und kann das Vertrauen der Patientinnen und Patienten stärken.

Grundlage der Vorbereitung ist der Qualitätsmanagement-Selbstbewertungsbogen, der den Ist-Stand der Praxis erfasst. Darauf aufbauend werden Prozesse beschrieben, Verantwortlichkeiten festgelegt und die Qualitätspolitik der Praxis formuliert. Die abschließende Prüfung übernimmt eine von der KVWL befugte Zertifizierungsstelle vor Ort.

Zum Mitnehmen

Ein internes Qualitätsmanagement ist für Praxen Pflicht, das Verfahren dazu frei wählbar. KPQM ist die schlanke, praxisnahe Antwort auf diese Pflicht – entwickelt von der KVWL, orientiert an der QM-Richtlinie des G-BA und ohne den Aufwand eines vollständigen ISO-Systems. Die Zertifizierung bleibt freiwillig, macht das gelebte Qualitätsmanagement aber nach außen sichtbar.

Häufige Fragen

Ist ein Qualitätsmanagement in der Praxis Pflicht?

Ja. Die Qualitätsmanagement-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses verpflichtet vertragsärztliche und vertragspsychotherapeutische Praxen, ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln. Die Umsetzungsfrist liegt bei drei Jahren nach Zulassung. Welches Verfahren dafür genutzt wird, ist hingegen frei wählbar.

Müssen wir uns nach KPQM zertifizieren lassen?

Nein. Eine Zertifizierungspflicht besteht nicht. Pflicht ist allein das Betreiben eines internen Qualitätsmanagements. Eine Zertifizierung ist freiwillig und kann sinnvoll sein, um das gelebte Qualitätsmanagement gegenüber Patientinnen und Patienten sichtbar zu machen und nach außen zu belegen.

Worin unterscheidet sich KPQM von der ISO 9001?

KPQM ist ein speziell für Arzt- und Psychotherapie-Praxen entwickeltes, bewusst schlankes System, das sich an der QM-Richtlinie des G-BA orientiert. Die DIN EN ISO 9001 ist ein branchenübergreifender internationaler Standard mit umfassenderem Aufbau und einem international anerkannten Zertifikat. Für viele Praxen ist KPQM tragbarer; wer ein international anerkanntes Zertifikat braucht, wählt mitunter die ISO 9001.

Können wir bei der Einführung Unterstützung erhalten?

Ja. Der Aufbau eines Qualitätsmanagements lässt sich strukturiert begleiten – von der Standortbestimmung über die Beschreibung der Prozesse bis zur Vorbereitung auf eine etwaige Zertifizierung. Eine allgemeine Einordnung der Verfahren und des Vorgehens bieten wir in unserer Qualitätsmanagement-Beratung.

Hinweis

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