Was ein Risikomanagementsystem leistet.
Ein Risikomanagementsystem (RMS) ist die systematische Gesamtheit aus Grundsätzen, Organisation und Prozessen, mit der ein Unternehmen seine wesentlichen Risiken erkennt, bewertet, steuert und überwacht. Es ersetzt das punktuelle Reagieren auf eingetretene Probleme durch ein vorausschauendes Verfahren, das Risiken sichtbar macht, bevor sie wirken. Anders als eine einmal jährlich gepflegte Risikoliste ist ein RMS ein dauerhaft gelebter Kreislauf, der in die Steuerung des Unternehmens eingebunden ist und der Geschäftsleitung eine belastbare Grundlage für ihre Entscheidungen liefert.
01
Transparenz
Risiken sichtbar machen
Ein RMS schafft einen vollständigen, regelmäßig aktualisierten Überblick über die wesentlichen Risiken eines Unternehmens, von strategischen über finanzielle und operative bis zu rechtlichen Risiken. Erst wer seine Risiken kennt, kann sie steuern.
02
Priorisierung
Das Wesentliche erkennen
Nicht jedes Risiko verdient die gleiche Aufmerksamkeit. Durch die Bewertung nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe sowie die Zusammenschau kombinierter Einzelrisiken trennt ein RMS das Bedrohliche vom Beherrschbaren.
03
Handlungsfähigkeit
Früh gegensteuern
Bestandsgefährdende Entwicklungen entstehen selten über Nacht, sondern kündigen sich an. Ein wirksames RMS erkennt diese Signale rechtzeitig und gibt der Geschäftsleitung den Vorlauf, der für geeignete Gegenmaßnahmen nötig ist.
Unsere Rolle in einem Satz
Wir unterstützen Ihr Unternehmen beim Aufbau der internen Strukturen, mit denen Sie Ihre Risiken systematisch beherrschen. Wir bringen die Methodik, den Prozessaufbau und die Dokumentationsvorlagen ein und richten das System auf Ihr Geschäftsmodell aus. Die laufende Risikosteuerung und die unternehmerische Verantwortung dafür bleiben bei Ihrer Geschäftsleitung, dort, wo das Gesetz sie verortet.
Warum der Aufbau heute Geschäftsleitungspflicht ist.
Ein Risikomanagementsystem ist für haftungsbeschränkte Unternehmen längst keine freiwillige Managementmethode mehr. Was mit dem KonTraG zunächst für Aktiengesellschaften eingeführt wurde, trifft seit der Einführung des StaRUG faktisch auch die mittelständische GmbH. Die Geschäftsleitung ist verpflichtet, bestandsgefährdende Entwicklungen fortlaufend zu überwachen und bei einer drohenden Krise geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ohne ein System, das diese Überwachung trägt, lässt sich diese Pflicht kaum erfüllen und im Schadensfall noch schwerer nachweisen.
§ 91 Abs. 2 AktG
Früherkennungssystem
Seit dem KonTraG von 1998 muss die Leitung ein Überwachungssystem einrichten, das bestandsgefährdende Entwicklungen frühzeitig erkennt. Lange vor allem für Aktiengesellschaften maßgeblich, gilt der Grundgedanke heute weit darüber hinaus.
§ 1 StaRUG
Pflicht für die GmbH
Seit 2021 verpflichtet das StaRUG die Geschäftsleiter haftungsbeschränkter Unternehmen rechtsformübergreifend zur Krisenfrüherkennung und zum Ergreifen geeigneter Gegenmaßnahmen. Damit ist die Pflicht im Mittelstand angekommen.
ISO 31000:2018
Methodischer Rahmen
Die internationale Norm ISO 31000 beschreibt mit Grundsätzen, Rahmenwerk und Prozess einen anerkannten Aufbau für das Risikomanagement. Sie ist kein Zertifizierungsstandard, aber der maßgebliche methodische Bezugspunkt.
IDW PS 340 n.F.
Prüfungsmaßstab
Der Prüfungsstandard des Instituts der Wirtschaftsprüfer konkretisiert die Anforderungen an ein Risikofrüherkennungssystem und betont die Risikoaggregation. Er ist der Maßstab, an dem ein RMS im Prüfungsfall gemessen wird.
Haftung der Geschäftsleitung
Die Pflicht zur Risikofrüherkennung ist unmittelbar mit der persönlichen Verantwortung der Geschäftsleitung verbunden. Wer eine bestandsgefährdende Entwicklung mangels geeigneten Systems nicht erkennt und keine Gegenmaßnahmen ergreift, setzt sich dem Vorwurf eines Organisationsverschuldens aus. Ein dokumentiertes, gelebtes Risikomanagementsystem ist deshalb nicht nur betriebswirtschaftlich sinnvoll, sondern auch ein wesentlicher Baustein zur Entlastung der handelnden Personen.
Risiken nach Wahrscheinlichkeit und Schadenshöhe ordnen.
Im Zentrum jedes Risikomanagementsystems steht die Bewertung: Jedes erkannte Risiko wird nach seiner Eintrittswahrscheinlichkeit und seiner potenziellen Schadenshöhe eingeordnet. Aus dieser zweidimensionalen Betrachtung ergibt sich, welche Risiken aktiv gesteuert werden müssen und welche lediglich beobachtet werden. Die folgende Risikomatrix zeigt das Prinzip an vier beispielhaften Risiken.
Risikoaggregation
Bestandsgefährdende Entwicklungen entstehen selten aus einem einzelnen Risiko, sondern aus dem Zusammenwirken mehrerer. Genau deshalb betont der einschlägige Prüfungsstandard die Risikoaggregation, also die rechnerische Zusammenführung der Einzelrisiken zu einer Gesamtbetrachtung. Ein RMS, das Risiken nur einzeln auflistet, ohne ihr Zusammenwirken zu betrachten, übersieht die gefährlichsten Konstellationen. Wir bauen die Aggregation deshalb von Anfang an in Ihr System ein.
Was wir Sie unterstützen können.
Wir sind externe Berater für den Aufbau interner Strukturen. Wir bringen die Methodik nach ISO 31000 und den einschlägigen Prüfungsstandards ein, entwickeln mit Ihnen die Prozesse und Dokumente und richten das System auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Risikolage aus. Betrieben wird das RMS anschließend von Ihnen, mit klaren Verantwortlichkeiten, geschultem Personal und einem Berichtswesen, das der Geschäftsleitung die nötige Entscheidungsgrundlage liefert.
Risikostrategie & Leitlinien
Wir erarbeiten mit Ihnen die Risikostrategie und die Risikoleitlinie, in der Risikoappetit, Verantwortlichkeiten und Grundsätze festgelegt sind. Sie bilden den verbindlichen Rahmen für das gesamte System.
Risiko-Inventar & Taxonomie
Wir strukturieren mit Ihnen die Erhebung der Risiken und eine einheitliche Taxonomie, damit Risiken über Abteilungen hinweg vergleichbar erfasst und nicht doppelt oder gar nicht benannt werden.
Bewertungs- & Aggregationsmethodik
Wir legen mit Ihnen die Bewertungsskalen für Wahrscheinlichkeit und Schadenshöhe fest und richten die Risikoaggregation ein, damit auch Kombinationseffekte sichtbar werden.
Steuerungsmaßnahmen
Wir entwickeln das Repertoire an Maßnahmen zur Risikobehandlung, von Vermeidung über Reduktion und Übertragung bis zur bewussten Akzeptanz, und ordnen sie den Risiken klar zu.
Berichtswesen & Reporting
Wir gestalten das Risikoreporting an die Geschäftsleitung mit Inhalten, Schwellenwerten und Turnus, sodass die Leitung jederzeit eine belastbare und entscheidungsreife Lage erhält.
Schulung & Verankerung
Wir schulen die Risikoverantwortlichen und verankern das System in der Organisation, damit aus einem Konzept ein gelebter Kreislauf wird und nicht ein Handbuch, das niemand mehr öffnet.
Was nicht enthalten ist
Wir bauen Ihre internen Strukturen auf und befähigen Ihr Team, das System selbst zu betreiben. Wir übernehmen nicht die laufende Risikosteuerung in Ihrer Funktion und treffen keine unternehmerischen Risikoentscheidungen an Ihrer Stelle. Wir leisten keine Wirtschaftsprüfung und kein Testat des Systems, da Beratung und Prüfung getrennt bleiben müssen, und keine rechtsverbindliche Beratung im Einzelfall. Unser Beitrag ist das tragfähige System, mit dem Ihre Geschäftsleitung ihre Verantwortung wahrnehmen kann.
Anschluss an Ihre bestehenden Systeme.
Ein Risikomanagementsystem entfaltet seinen Wert erst, wenn es nicht isoliert neben den vorhandenen Strukturen steht, sondern mit ihnen verbunden ist. In vielen Unternehmen bestehen bereits Teilsysteme, die sich mit Risiken befassen. Ein durchdachtes RMS führt diese unter einem gemeinsamen Rahmen zusammen und vermeidet Doppelarbeit ebenso wie blinde Flecken.
RMS
Risikomanagementsystem als gemeinsamer Rahmen über alle risikobezogenen Teilsysteme
Internes Kontrollsystem
Das interne Kontrollsystem und das Compliance-Management-System teilen mit dem RMS die Risikomethodik. Wir stimmen die Systeme aufeinander ab, damit Kontrollen, Compliance-Risiken und Unternehmensrisiken einer gemeinsamen Logik folgen.
Notfall- und Fortführungsplanung
Das Business-Continuity-Management setzt dort an, wo ein Risiko trotz Steuerung eintritt. Die im RMS bewerteten Risiken liefern die Grundlage dafür, welche Prozesse durch Notfall- und Wiederanlaufpläne abgesichert werden müssen.
Risiken der Informationssicherheit
Ein Informationssicherheits-Managementsystem betreibt für seinen Bereich eine eigene Risikomethodik. Wer ein ISMS unterhält, kann dessen Risiken in das übergreifende RMS einfließen lassen und so eine konsistente Gesamtsicht herstellen.
Der Risikomanagement-Kreislauf.
Ein Risikomanagementsystem ist kein einmaliges Projekt, sondern ein wiederkehrender Kreislauf. Die fünf Schritte bauen aufeinander auf und beginnen nach dem letzten Schritt von Neuem, weil sich Risiken, Geschäftsmodell und Umfeld fortlaufend verändern. Wir richten diesen Kreislauf mit Ihnen ein und begleiten die ersten Durchläufe, bis er in Ihrem Haus selbsttragend läuft.
Identifikation
Systematische Erhebung der wesentlichen Risiken über alle Bereiche hinweg, anhand einer einheitlichen Taxonomie und unter Einbindung der Risikoverantwortlichen.
Schritt 1
Analyse & Bewertung
Einordnung jedes Risikos nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe sowie Aggregation der Einzelrisiken zur Gesamtbetrachtung.
Schritt 2
Steuerung
Auswahl und Zuordnung der Maßnahmen zur Risikobehandlung, von der Vermeidung über Reduktion und Übertragung bis zur bewussten Akzeptanz.
Schritt 3
Überwachung
Laufende Beobachtung der Risiken und der Wirksamkeit der Maßnahmen, mit definierten Schwellenwerten, die bei Überschreitung eine Reaktion auslösen.
Schritt 4
Berichterstattung
Aufbereitung der Risikolage für die Geschäftsleitung als Grundlage ihrer Entscheidungen. Der Bericht schließt den Kreislauf und stößt die nächste Identifikation an.
Schritt 5
Was Mandantinnen und Mandanten häufig fragen.
Die wiederkehrenden Fragen drehen sich um die eigene Pflicht, um den Aufwand und um die Abgrenzung zu benachbarten Systemen. Eine Auswahl der Punkte, die im Erstgespräch regelmäßig aufkommen.
Brauchen wir als GmbH wirklich ein Risikomanagementsystem?
In aller Regel ja. Was lange vor allem für Aktiengesellschaften galt, trifft seit dem StaRUG faktisch auch haftungsbeschränkte Gesellschaften wie die GmbH. Die Geschäftsleitung ist verpflichtet, bestandsgefährdende Entwicklungen fortlaufend zu überwachen und bei einer drohenden Krise geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ein strukturiertes System ist der praktikabelste Weg, diese Pflicht zu erfüllen und im Zweifel auch nachzuweisen. Der Umfang richtet sich dabei nach Größe und Risikoprofil Ihres Unternehmens.
Reicht nicht eine Excel-Liste mit unseren Risiken?
Eine Liste ist ein Anfang, aber kein System. Sie wird meist einmal jährlich gepflegt, bildet keine Kombinationseffekte ab und ist nicht in die Steuerung eingebunden. Ein Risikomanagementsystem ist ein gelebter Kreislauf aus Identifikation, Bewertung, Steuerung, Überwachung und Berichterstattung, mit klaren Verantwortlichkeiten und einem Berichtswesen an die Leitung. Gerade die Risikoaggregation, also das Zusammenwirken mehrerer Einzelrisiken, lässt sich in einer einfachen Liste nicht abbilden, ist aber für die Früherkennung entscheidend.
Bauen Sie das System für uns oder mit uns?
Mit Ihnen. Unser Modell ist der Aufbau interner Strukturen, nicht die stellvertretende Risikosteuerung. Wir bringen Methodik, Prozessaufbau und Dokumentationsvorlagen ein und richten alles auf Ihr Geschäftsmodell aus. Betrieben wird das System anschließend von Ihrem Haus, mit geschultem Personal und klaren Verantwortlichkeiten. Die unternehmerischen Risikoentscheidungen und die Verantwortung dafür bleiben bei Ihrer Geschäftsleitung, dort, wo das Gesetz sie verortet.
Welche Norm legen Sie dem Aufbau zugrunde?
Den methodischen Rahmen bildet die ISO 31000:2018 mit ihren drei Säulen Grundsätze, Rahmenwerk und Prozess. Sie ist kein Zertifizierungsstandard, sondern der anerkannte Bezugspunkt für den Aufbau. Ergänzend orientieren wir uns an den einschlägigen Prüfungsstandards des Instituts der Wirtschaftsprüfer, insbesondere an der dort betonten Risikoaggregation, damit Ihr System auch dem Maßstab standhält, an dem es im Prüfungsfall gemessen würde.
Wie grenzt sich das RMS vom Compliance-Management ab?
Beide Systeme befassen sich mit Risiken, betrachten sie aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Das Compliance-Management-System konzentriert sich auf Risiken aus der Verletzung von Regeln und Vorgaben, während das Risikomanagementsystem alle wesentlichen Unternehmensrisiken in den Blick nimmt, von strategischen über finanzielle bis zu operativen. Beide teilen die Risikomethodik, weshalb wir sie aufeinander abstimmen, statt zwei getrennte Welten aufzubauen. So folgen Kontrollen, Compliance-Risiken und Unternehmensrisiken einer gemeinsamen Logik.
Wie lange dauert der Aufbau?
Das hängt von Größe, Komplexität und dem vorhandenen Reifegrad ab. Bei einem mittelständischen Unternehmen mit überschaubarer Struktur lässt sich ein tragfähiges Grundsystem in einigen Wochen bis wenigen Monaten aufbauen. Unternehmen, die bereits ein Compliance- oder Informationssicherheits-Managementsystem betreiben, erreichen das untere Ende dieser Spanne, weil sich Methodik und Routinen übernehmen lassen. Wichtiger als die reine Aufbaudauer ist, dass die ersten Durchläufe des Kreislaufs begleitet werden, bis das System selbsttragend läuft.
Hilft ein RMS auch gegen die persönliche Haftung?
Es ist ein wesentlicher Baustein dazu. Die Pflicht zur Risikofrüherkennung ist unmittelbar mit der Verantwortung der Geschäftsleitung verbunden. Wer eine bestandsgefährdende Entwicklung mangels geeigneten Systems übersieht, setzt sich dem Vorwurf eines Organisationsverschuldens aus. Ein dokumentiertes, nachweislich gelebtes Risikomanagementsystem zeigt, dass die Leitung ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen ist, und trägt damit erheblich zur Entlastung der handelnden Personen bei. Eine rechtsverbindliche Bewertung des Einzelfalls bleibt allerdings der anwaltlichen Beratung vorbehalten.
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